Schwarzach Ultratrail 2017

Nun ist er also Geschichte, mein erster Ultra Trail.

Ich muss gestehen, ich hatte dieses Datum wirklich täglich im Kopf, seit Ende Februar. Denn da habe ich meine Ski weggepackt und wieder mit dem Laufen begonnen. Der 27. Mai 2017 schien noch in weiter Ferne und ich wog mich stets in Sicherheit und garantierte mir, ich hätte noch genügend Zeit, um mich auf meinen ersten Ultratrail, auf diese monströse Distanz von 47 km, vorzubereiten.

Doch plötzlich war der Tag X da, und ich fühlte mich gar nicht mehr so bereit, wie vielleicht noch zwei Wochen davor. Die Belastung der zwei Rennen fünf Tage zuvor in Zell verunsicherte mich etwas, da ich das einfach nicht gewöhnt bin und so ging ich nicht ganz so locker, wie ich es mir vielleicht erhofft hätte, an den Start meines ersten Ultra Trails, dem Schwarzach Trail Salzburger Land.

Der Tag startete mit einem zeitigen Frühstück, dann richtete ich meine Verpflegung für den Tag her und schmiss mich in mein sportives Outfit und schnürte meine Viking Schuhe. An diesem Tag waren auch Sonnencreme und ein Kapperl Pflicht, den die Sonne würde unerbittlich herunterbrennen.

Gegen 8:15 machte ich mich auf nach Schwarzach, denn um 8:20 sollte das Briefing stattfinden. Das hörte ich blöderweise jedoch nur mit einem Ohr, zu groß war die Aufregung und zu viele liebe, bekannte Gesichter traf ich im Startbereich an. So kam es auch, dass ich gemeinsam mit Tom Farbmacher und Philipp Brugger, nur wenige Minuten vor dem Start vom Chef Fredl Zitzenbacher persönlich noch aufgerufen wurde, und zur Registrierung antreten musste. Ups, sorry… 🙈

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Geballte Frauenpower: Silke, zweimal Sarah und Jasi

Um 9 Uhr wurde es schließlich ernst. Gemeinsam wurde der Countdown herunter gezählt und die laufwütige Masse wurde auf eine Strecke von 47 km und 2800 Höhenmeter losgelassen.

Schon bald merkte ich, dass das wohl nicht mein Tag sein würde, versuchte diese Gedanken aber schnell beiseite zu schieben, und mich stattdessen zu freuen, dass ich endlich meinen heißersehnten, ersten Ultra Trail laufen und Teil eines so tollen Events sein darf.

Das funktionierte eigentlich gut, und bis zur ersten Labe beim Böndlsee ging es mir ganz ordentlich, ich trank brav mein Wasser, angereichert mit einem Elektrolytpulver und nahm ein Gel.

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Mit Schwung hinunter zur ersten Labe beim Böndlsee

Das Publikum bei der Labe war DER Hammer! So viele Menschen säumten die letzten Meter zur Labe, die einen anfeuern, rufen, klatschen, da bekomme ich alleine beim Gedanken daran noch eine Gänsehaut!

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Bei dem Publikum kommt Freude auf! © David Geieregger

Apropos Gänsehaut: Trotz stetig steigender Temperaturen bekam ich am Weg weiter Richtung Hirtenkapelle eine Gänsehaut, kein gutes Zeichen. Ich bemerkte erstmals, dass sich mein Magen beschwerte, was in der Bergab-Passage von der Meislsteinalm hinunter nicht unbedingt besser wurde. Dass dieser Tag kein Kindergeburtstag für mich werden würde, war mir im Vorhinein klar, deshalb maß ich dem ganzen keine so große Beachtung bei. Außerdem traf ich meine Liebsten bei der Meislsteinalm an, was mir Auftrieb gab.


Es folgte ein steiler Steig durch den Wald hinauf Richtung Gamskögerl, wo erst kurz unter dem ersten Gipfel meine Kraft wieder ansatzweise zurückkam. Ich konnte die herrlichen Trails wieder etwas mehr genießen und einfach dankbar sein. Das Hochegg nahm ich mit einer wiedererlangten Leichtigkeit mit und schon lag der dritte Gipfel vor mir, der Schneeberg.

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Vom Hochegg zum Schneeberg © Klaus Spielbüchler

Der Weg Richtung Schneeberg ist eindeutig mein Lieblingsteil des Rennens, dieses Panorama machte jegliche Anstrengungen wett. Außerdem sind die Trails, auch schon etwas angeschlagen, so herrlich laufbar. An dieser Stelle zückte ich zum ersten und letzten Mal während des Rennens mein Handy und musste die Kulisse fotografisch festhalten, einfach, weil mich dieser Anblick glücklich macht(e).

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Bergauf machte mir mein Bauch etwas weniger zu schaffen, und ich konnte sogar einen Platz in der Damenwertung gutmachen, aber als es vom Schneeberg bis Althaus durchgehend bergab ging, wollte das verdammte, süße Gel- und Elektrolytzeugs nicht nur einmal wieder zurück an die frische Luft… Also lief ich ziemlich gebremst bergab, würgte noch ein Gel runter und war einfach nur froh, als es vom Althaussattel weg wieder nur bergauf ging zum letzten der vier Gipfel, dem Hochglocker.

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Dankbar über jedes Fleckchen Schatten (und über die Anfeuerungsrufe meiner Mama 🙂 )

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Ursi und ich am Weg zum Hochglocker

Ich bin in meinem Leben selten Distanzen über 20 km gelaufen, und heuer auch erst wenige Male über 30 km, also war alles ab dieser Distanz neu für mich. Irgendwie freute ich mich darauf, aber die Hitze machte (nicht nur) mir wirklich zu schaffen. Mein Bauch beschwerte sich bei jedem Schluck, den ich trank, einen Riegel brachte ich beim besten Willen nicht hinunter und ich war nicht mehr Herrin meiner Gedanken. Als das letzte Gipfelkreuz schon in Reichweite war, begann ich plötzlich unaufhörlich aus der Nase zu bluten und ich bekam leichte Panik, weil auch das neu war für mich. Mein erster, verwirrter Gedanke war, dass mein Körper versagen würde. Als ich aber begriff, dass mich meine Beine weiterhin über die Wanderwege trugen, ignorierte ich es gekonnt, stopfte mir ein Taschentuch ins Näschen und lief weiter. 😅

Mein Vati stand zum Glück am Gipfel und versicherte mir, er würde mit dem Bike zur Kinderalm fahren und dort wieder auf mich warten. Also war mein nächstes Ziel die Kinderalm zu erreichen, ohne auf einmal im Wald wegzuklappen. (Ich muss ein bisschen grinsen, während ich das schreibe, weil meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt etwas wirr waren, und doch von Etappenziel zu Etappenziel gingen und im Nachhinein irgendwie lustig sind. Aber am Samstag empfand ich doch ein gewisses Ohnmachtsgefühl und Ungewissheit.)
Ab diesem Zeitpunkt, oder wahrscheinlich auch schon etwas davor, haben mich nicht mehr meine Beine, sondern nur mehr mein Wille und meine Entschlossenheit getragen. Ich wusste, dass ich schon über 40 km in den Beinen habe, und die restlichen 7 wollte ich auch noch schaffen. Wie, das war mir egal.

Am Trail zur Landesklinik St. Veit hinunter bremsten meine Beine mehr, als sie liefen, aber nur meinem Bauch zu Liebe. An dieser Stelle wurde ich von einer Dame überholt, die wohl schon mehr Erfahrung in diesem Bereich und auch noch mehr Kraft hatte.

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Walking Dead 😆

Der Abschnitt durch St. Veit erinnerte mich an Walking Dead, vor und hinter mir gingen die Leute im Ebenen Schlangenlinien, die letzten Kraftreserven wurden mobilisiert, nun war es nicht mehr weit. Vor meinem geistigen Auge sah ich nur mehr mit Eiswasser gefüllte Badewannen. 😉

Endlich im kühlen Putzengraben angekommen feuerten mich meine Liebsten noch ein letzten Mal an (inklusive Kuhglocke ;)). Es war noch ein kleiner, aber gemeiner Schupfer zu überwinden, der Schernberg.

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Ein letztes Mal bergauf beißen

Oben angekommen, ging es nur noch bergab durch einen kurzen Waldabschnitt zum Schwarzacher Ortszentrum. Ich konnte schon die Stimme des Zielsprechers widerhallen hören und mit einem letzten Blick auf die Uhr sah ich, dass sich sogar noch eine Zeit unter 6:30h ausgehen würde.

Das erste was in mein Blickfeld sprang, als ich in den Zielbereich einlief, waren die rufenden, begeisterten Gesichter von Jasi und Sarah. Die Emotionen überkamen mich und die Tränen stiegen mir in die Augen. An der Ziellinie stand Fredl und schlug mit mir ein und dahinter warteten meine Eltern und Freunde. Welch unbeschreibliche Gefühle! Ich hatte es tatsächlich geschafft: 47 km und 2800 hm.

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Das Ende ist nah 😜

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Lachen, weinen, am besten beides gleichzeitig © David Geieregger

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Freudestrahlend hinein ins Ziel © David Geieregger

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Low Five mit Fredl © David Geieregger

Ich habe zuvor nie daran gezweifelt, denn, wenn ich mir etwas in den Kopf setze, so will ich das auch schaffen. Aber während des Rennens war ich mir hin und wieder nicht mehr sicher, ob mein Körper wohl noch mitmachen würde. Umso größer waren dann die Freude, das Hochgefühl und die Erleichterung, als ich endlich im Ziel war, nach 6 Stunden, 27 Minuten und 2 Sekunden. Als 5. Frau. Und  49. Finisher gesamt.

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Gezeichnet, aber überglücklich!

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Diese beiden flotten Damen warteten im Ziel auf mich! 😘

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So viel Freude in einem Foto

Für mich war dieser Tag ein Erlebnis sondergleichen, ich habe mich an meine körperlichen und geistigen Grenzen gebracht, Höhen und Tiefen durchlebt und schließlich nie den Glauben an mich aufgegeben und all dies noch mit so lieben Menschen teilen dürfen.

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Das Damenpodest: v. l. Bürgermeister Andreas Haitzer, Barbara Hutteger (4. Platz), Ursi Fuchs mit Luis (3. Platz), Anja Neumann (2. Platz), Kathi Schichtl (1. Platz), Sarah Dörschlag (5. Platz), Michaela Schwarzenbacher (6. Platz), Veranstalter Fredl Zitzenbacher

Ich möchte allen Teilnehmern zu ihren Leistungen gratulieren, jeder einzelne hat tapfer gekämpft und kann auf sich stolz sein.

Danke an Fredl Zitzenbacher und sein Team, ihr habt ein wirklich tolles, familiäres Event mit so viel Herz (alleine schon die Wegbeschilderungen und die Medaillen!!) ins Leben gerufen, bei dem man alleine schon wegen der Atmosphäre unbedingt noch einmal dabei sein möchte.

Ein ganz großes Dankeschön und viele Bussis gelten meinen Unterstützern, die mich unermüdlich angefeuert, mir Mut gemacht und diesen besonderen Tag noch schöner gemacht haben! ❤

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