Unterwegs am Schladminger Tauernhöhenweg oder Die Flucht vor dem Gewitter Teil I

Das Wochenende nahte und die städtische Hitze ließ meine Sehnsucht nach den Bergen nur noch größer werden.

Um das heiß ersehnte Wochenende so „urlaubshaft“ wie möglich wirken zu lassen, suchte ich mir Trails abseits meiner Heimat heraus, ich wollte etwas Neues erleben und fremde Berge erkunden. Neben diesem Urlaubseffekt hatte ich natürlich auch den Trainingseffekt für den Transalpine Run im Kopf, der ja kein Monat mehr entfernt ist.
Auf quasi halber Strecke zwischen Salzburg und Graz traf man sich in Schladming, dem Startpunkt für eine zweitägige Laufrunde in den Schladminger Tauern.

Ausgerüstet mit jeweils einem kleinen Laufrucksack, genügend Verpflegung, regenfester Kleidung, Stöcken und meinen neuen Schuhen von Viking konnte die Unternehmung losgehen. Bei einem Rucksackvolumen von nur 10 Litern wurde jeder Kubikzentimeter sinnvoll genutzt, mein einziger Luxus war ein Labello. 😉

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Im Ennstal die Nebelsuppe, in Rohrmoos heroben strahlender Sonnenschein

Im Ennstal lag noch der Nebel, während wir schon bei strahlendem Sonnenschein in Rohrmoos starteten. Die erste Etappe führte über tolle, laufbare Wanderwege von der Hochwurzenhütte, vorbei am Rossfeld, über den Gutschen, weiter über den Schneider, das Schiedeck irgendwann schließlich zum Brettersee, der uns eine willkommene Abkühlung war.

 

 

 

Die sommerlichen Temperaturen ließen nämlich auch auf über 2000 m nicht nach. Das nächste landschaftliche Highlight folgte kurz darauf, als uns plötzlich die Giglachseen zu Füßen lagen. Laufen, schauen, Foto machen, hier war Multitasking gefragt, was Frauen ja bekanntlich besser liegt. 😉

 

 

 

Nach der magischen Seenkulisse wartete wieder ein steiniger Anstieg auf uns. An einer verfallenen Knappenbehausung ging es Meter für Meter bergauf zur Rotmandlspitze, mit 2453 m dem höchsten Punkt unserer heutigen Etappe.

 

 

 

Mit dem Abstieg Richtung Keinprechthütte veränderte sich die Landschaft komplett und wurde etwas karger, aber nicht weniger schön. Ich war einfach jede Sekunde dankbar und glücklich, dass wir die Möglichkeit haben, in so einer traumhaften Landschaft herumsausen zu dürfen.

Unterwegs trafen wir nicht viele Wanderer, schon gar nicht an den exponierteren Stellen, dort waren wir komplett allein und konnten vom Alltag abschalten. Auch wenn sich der Körper plagte, bekam der Geist eine Auszeit.

 

 

 

Unsere Route war ein ewiges Auf und Ab, nach dem Abstieg zur Keinprechthütte folgte wieder ein Aufstieg zur Trockenbrotscharte, und ich hatte somit genügend Möglichkeiten das Zusammenbauen und Wieder-Verstauen meiner neuen Trailrunningstöcke zu üben. Bisher habe ich beim „Laufen“ noch nie Stöcke verwendet, aber bei Anstiegen wie diesen, und jenen, die uns beim TAR erwarten werden, macht der Einsatz von Stöcken durchaus Sinn.

Von der Trockenbrotscharte liefen wir hinunter zur Landawirseehütte, passierten ganz nebenbei die steirisch-salzburgerische Grenze (Steiermark – Lungau), füllten unsere Wasserreserven auf und weiter gings Richtung Gollingscharte. Ein weiteres Mal tut sich vor uns eine menschenverlassenen Landschaft auf, die einen auf Orks warten lässt.

 

 

 

Der Abstieg zur Gollinghütte zog sich etwas, das unwegsame Geröll ließ Meter zu Kilometer werden und während wir uns bei jedem Schritt konzentrieren mussten, verfinsterte sich der Himmel über uns zusehends.

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Philipp fährt schon mal die Blitzableiter aus

Nach dem ersten Regentropfen auf meiner Haut dauerte es dann noch zirka eine Minute und es begann aus Kübel zu schütten. Kurz bevor der Regen dann zu Hagel wurde, erreichten wir patschnass die Gollinghütte. Wir aßen etwas und warteten über eine Stunde, bis das Unwetter vorüberzog. Nach einem kurzen Blick in die Wanderkarte mussten wir feststellen, dass sich unsere geplante Route über den Greifenstein und die Klafferscharte wohl leider nicht mehr ausgehen würde. Angeschrieben war die Tour mit beinahe sechs Stunden, auch wenn wir gleich schnell wie bisher unterwegs wären, würde sich das im Hellen nur mehr knapp ausgehen. Außerdem würde das nächste Gewitter nicht lange auf sich warten lassen. Und so disponierten wir um, liefen bis zum Riesachbach und nahmen dann den Steig entlang des Riesachfalls.

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Never skip leg day @ Riesachfall

Landschaftlich entging uns zwar sicherlich etwas, aber Sicherheit geht vor und ganz unansehnlich war der Riesachfall und dann der Riesachsee auch nicht. In letzterem nahmen wir ein flottes Bad, ich hab mich selten in meinem Leben so dreckig gefühlt, wie vor dem Sprung ins eiskalte Wasser.

Danach hieß es aber wieder hurtig flink weiter zu laufen, da sich der Himmel abermals verfinsterte und wir noch über 5 km und 400 hm bis zu unserem Tagesziel, der Preintalerhütte, hatten. Dem Regen entkamen wir nicht, aber zum Glück dem Gewitter. Als es dann so richtig zum Krachen und Blitzen anfing, erwartete uns der Hüttenwirt bereits, man hatte ihn vorab informiert, dass zwei Halbwahnsinnige vier Tagesetappen in nur einem Tag absolvieren wollten.

Dieses Gefühl, als wir die Preintalerhütte nach 8,5 Stunden Laufen erreichten, glich fast einer Zielankunft bei einem Rennen.

Während es draußen ganz schwarz wurde und die Landschaft nur durch die Blitze erhellt wurde, schmeckte der wohlverdiente Kaiserschmarrn nach 39,4 km und 3100 hm in der warmen Gaststube gleich noch besser.

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