Unterwegs am Schladminger Tauernhöhenweg oder Die Flucht vor dem Gewitter Teil II

Kurz nach Verzehr des ausgiebigen Kaiserschmarrns begaben wir uns dann auch schon um 22:00 Uhr ziemlich müde ins Schlaflager. Die „Nachtruhe“ verdient ihren Namen wohl kaum. Bis Mitternacht krachten unsere Lagergenossen regelmäßig herein, wühlten in ihren Rucksäcken und nahmen keinerlei Rücksicht auf jene, die sich schon hingelegt haben. Als dann das Gewusel ein Ende nahm, fing mein Magen an, sich über den ziemlich fettigen Kaiserschmarrn zu beklagen und ich musste zusehen, dass dieser nicht wieder den Weg nach oben suchte. Dazu kam erschwerend dazu, dass der Kollege, der unter uns lag, allen Anschein nach jegliche Kontrolle über seine Schließmuskulatur verloren hat und somit dem Lager eine Duftnote verlieh, die ihresgleichen sucht – und das die ganze Nacht! Wir lagen oben und warme Luft steigt ja bekanntlich auf… Grünes Kotz Smiley - U+1F922 Long story short: Nach zwei Stunden mäßigem Schlaf war ich heilfroh, als wir um 5:30 endlich zum Frühstück aufstehen und die Kammer des Schreckens hinter uns lassen konnten.

Das Hüttenfrühstück ließ keine Wünsche offen, lediglich beim Anblick des Grammelschmalzes wurde mir erneut schlecht. Als wir um 6:30 Uhr eigentlich fix und fertig gepackt waren und bereit zum Abmarsch, machte uns das Wetter erneut einen Strich durch die Rechnung, es begann nämlich unerwartet wie aus Kübeln zu schütten. Unser Plan war es, den Zentralalpenweg bis nach St. Nikolai im Sölktal zu laufen, ein abermals langes Unterfangen (ca. 36 km und 3200 hm), aber nach gestern definitiv machbar. Aufgrund der angesagten Gewitter mussten wir aber so früh wie möglich starten, ansonsten würde das Ganze zu gefährlich werden, vorallem im letzten Teilstück ist man weit weg von der Zivilisation, bzw. der nächsten Almhütte.

Als der Regen eine Stunde später immer noch nicht nachließ, mussten wir handeln und eine Alternativroute wählen. Wir wollten Richtung Nordwesten wieder zum Auto zurück, also zur Planei, und von dort nach Rohrmoos-Untertal und wieder zurück zum Auto nach Rohrmoos. Das war zwar weniger weit und weniger hoch, aber sicherer. Zum Glück war Philipp so vernünftig, ich haderte sicher noch eine Stunde wie ein kleines Mädchen mit der Entscheidung, weil ich das Ding einfach durchziehen wollte. Aber so ist das Leben nun mal, man sollte nichts erzwingen, sondern lieber das genießen, was man hat. 🙂

Um 8:00 Uhr kamen wir schließlich im halbwegs Trockenen von der Preintalerhütte weg und nahmen den Höfersteig, an der Neualm vorbei bis zu einer Abzweigung, die uns auf den Höchstein führte.Wenn wir schon abkürzten, so wollten wir wenigstens noch einen ordentlichen Gipfel mitnehmen. Der Höfersteig war nur teilweise laufbar, zu rutschig und abschüssig waren die meisten Passagen. Aber man hatte eine großartige Aussicht, hinunter zum Riesachsee, zurück zur Preintaler Hütte und vorallem, hinauf zum Höchstein, der wie ein riesiger Felsklotz vor uns thronte.

Die steinige Szenerie wirkte durch die grünen Wiesen und die Schafe die darauf grasten viel weicher, als sie wirklich war.

(Mama, bitte diesen Absatz auslassen) Die letzten Höhenmeter zum Höchstein hinauf waren richtig zum Aufpassen und Festhalten, links und rechts gings ordentlich runter und der Wind und Nebel blies uns um die Ohren. Aber da fühlte ich mich lebendig, und wie! 💎

Mutterseelenallein konnten wir die Ruhe und den Ausblick am Gipfel genießen.

Über einen Steig „nur für Geübte“ kraxelten wir vorbei am Kaltenbachsee wieder zurück auf unsere ursprüngliche Route, die uns am Spielbühel vorbei führte, was für ein passender Name #timetoplay. 😉

Wir kamen, ob der technisch anspruchsvollen Wege, zwar nur mäßig schnell weiter, aber diese Trails waren einfach nur mehr geil! Ständig ging es coupiert dahin, dann musste man wieder über Felsvorsprünge drüberklettern. Es mag vielleicht abgedroschen klingen, aber genau da fühle ich mich wieder wie in Kind, das neue Wege erkundet, einfach drauf los läuft, über Stock und über Stein.

Wenn irgendjemand meint, laufen sei langweilig, kann ich ihm nur wärmstens empfehlen, seine Streckenwahl zu überdenken!

Und dann, plötzlich, KULTURSCHOCK! Die letzten Stunden liefen wir stetig alleine durch die Berge und dann an der Kreuzung zum Krahbergzinken hinauf schwärmten die Leute von der Gondelstation Planai in Scharren herüber. Wir waren also wieder in der Zivilisation angekommen, schade!

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Wo kommen all diese Leute her? Ahh, von der Gondelstation…

Wir sahen zu, dass wir so schnell wie möglich diese seelenlose Touristenkulisse verließen. Sobald wir die Gondelbergstation passierten, waren wir wieder so gut wie alleine auf den Wanderwegen, tut sich ja niemand mehr an, da zu Fuß hoch zu laufen, ne?!

Die negativen Höhenmeter zogen sich, meine Knie verlangten nach Bergaufpassagen, und nach sechs Stunden waren wir wieder beim Auto zurück. Mit einer Strecke von 26 km und 1630 hm im Aufstieg und 2200 hm im Abstieg lässt uns diese Zeit zwar schlecht aussehen, aber wie schon erwähnt, machten wir an diesem Tag größtenteils keine großartigen Laufmeter und hatten auch einige Pausen drinnen.

Auch wenn ich anfangs mit dieser Alternativroute etwas unzufrieden war, so wandelte sich diese Unzufriedenheit mit jedem Schritt mehr und mehr in Freude um, denn die Landschaft war großartig, die Berge einsam, das Wetter hielt durch und außerdem hatte ich ja einen tollen mentalen Unterstützer an meiner Seite. 🙂

Meine Beine waren nach diesen zwei Tagen überraschend frisch, meine Füße waren blasenfrei (ich liebe meine neuen Viking Medvind mit BOA System wirklich ❤ ) und ich fühle mich nun ein Stück mehr bereit für den TAR 2017.

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