Schneller, höher, weiter – stopp.

Citius, altius, fortius.

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Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Beitrag posten soll. Ist er zu gewagt, zu kritisch, zu ehrlich? Moment – kann man denn zu ehrlich sein? Ich denke, ein paar aufrichtige Worte in einer illusionär idealen Social Media Welt, in der jeder glücklich zu sein scheint, haben gewiss ihre Berechtigung.

Schneller, höher, weiter.

Niemals stehen bleiben, sich nie umdrehen, immer vorwärts.
Und wenn der Körper nicht mehr kann?
Dann übernimmt der Kopf und treibt einen weiter an.
Und wenn der Kopf nicht mehr kann, was dann?

HIZE4585

Vor zwei Wochen war die Luft raus. Die ganze Anspannung, Vorfreude, die sich nun über Monate hinweg aufgebaut hat – weg. Ich fühlte mich leer, ausgelaugt und irgendwie nicht mehr bereit zu geben. Da kam es eigentlich genau richtig, dass mich meine liebe Klara fragte, ob ich mit ihr ein paar Tage auf ein Festival nach Cornwall fahren wolle. Wir würden völlig stressfrei die englische Küste und ein paar Konzerte genießen. Ich kann gar nicht sagen, wie mich das Ganze erleichterte, nachdem ich mir selbst eine Pause von der Uni und allem rundherum zugestand. Ein paar Tage Auszeit, von jeglicher geistiger und körperlicher Anstrengung. Niemand, außer mir selbst, würde etwas von mir erwarten. Ich kann mir frei nehmen von allem, ich kann tanzen, als würde niemand zusehen.

Es scheint einfacher, dem Körper Ruhe zu geben. Man glaubt, der Körper regeneriert, wenn man die physische Belastung herunterschraubt.
Dabei vergisst man jedoch auf die mentale Komponente. Denn diese zu entspannen, stellt für mich die viel größere Schwierigkeit dar. Irgendetwas rattert in meinem Oberstübchen immer, Szenarien spielen sich ab, das Kopfkino geht weiter, die Unruhe lässt nicht nach. Der Herzschlag wird nicht langsamer und das hindert natürlich auch die physische Regeneration.

In Zeiten von Social Media, wo man immer erreichbar und abrufbar sein sollte, man sich entschuldigen muss, wenn man einmal ein paar Tage Auszeit nimmt, wird diese Reizüberflutung immer mehr zum Problem. Es wird immer schwieriger, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Was möchte man eigentlich, was braucht man eigentlich gerade, was braucht man am meisten und worauf könnte man verzichten?

Auf Facebook und Instagram zeigen wir uns nur von unserer besten Seite, die schönsten Momente des Tages werden herausgepickt und zur Schau gestellt. Das Gras auf der Wiese der anderen wächst immer grüner und wir schrauben die Erwartungen an uns selbst immer höher. Wir selbst sind unsere strengsten Kritiker.

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Aber was ist, wenn ich einmal versage? Was ist, wenn ich nach der dritten Etappe des Transalps aufgeben muss? Wie wird es mir gehen, wie wird es Ina gehen, und vorallem: Was werden die anderen denken?

Hinter einer großen Fassade aus Bildern und Videos steckt doch nur ein Mädchen, dass einfach für ihr Leben gerne läuft, die Energie der Natur spürt und diese Freude mit anderen teilen will.
Ich hatte in den vergangenen Wochen das Gefühl, alles andere rundherum würde viel zu groß werden. Dabei will ich doch nur laufen. 

Ich gestehe mir diese Ängste, diese Versagensängste, zu, sie sind doch nur menschlich. Und in dem Moment, in dem ich diese Ängste akzeptiere und verstehe, kann ich mich wieder freuen. Auf den Transalpine Run mit Ina, auf das Gemeinschaftsgefühl, auf die Emotionen, die mich täglich überrollen werden.

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Danke liebe Klara für die tollen, erhellenden Gespräche, die gemeinsame, unbeschwerte Zeit und für deine Freundschaft! ❤

Und danke für die ungestellten Fotos. 😉

2 thoughts on “Schneller, höher, weiter – stopp.

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