Transalpine Run 7. Etappe: Prad am Stilfserjoch – Sulden am Ortler

Hard Facts: 31 km, 2.600 Hm im Aufstieg, 1.664 Hm im Abstieg, höchster Punkt auf 2.886 m, Start um 7:00

Der Start der letzten Etappe wurde witterungsbedingt auf 7:00 Uhr vorverlegt, und da wir eine knappe halbe Stunde vom Start entfernt schliefen, hieß das wieder eine frühe Tagwache für uns.

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Kurz vorm finalen Start in Prad

Obwohl uns unsere Knie die letzte Etappen schon ein bisschen wehtaten, und meine sogar etwas geschwollen waren, fühlten wir uns körperlich fit und stark genug, die letzte Etappe noch zu meistern. Die Streckenführung versprach ja wieder einiges an Schmanckerln, unter anderem wartete mit der Tabarettascharte (2886m) der höchste Punkt des gesamten Rennens auf uns.

Kurz vor dem Start bekamen wir von unseren Lieblingsphysios noch ein Glücksbringer-Tape-Herz auf das Schenkerl geklebt ❤ (Danke, dass ihr uns die Tage so gut versorgt habt!).

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Wie immer pünktlich und wie immer mit dem obligatorischen „Highway to Hell“ wurden wir ein letztes Mal auf die Strecke geschickt und ich war fast ein bisschen wehmütig. Das Wetter hielt nicht, was es versprochen hatte, es regnete von Anfang an und wurde immer kälter.

Es ging gleich bergauf, zuerst mal auf der Straße Richtung Stilfs und bald liefen wir schon an der ersten Labestelle vorbei. Dem tristen Wetter trotzen wir mit unseren quietschbunten Outfits.

 

Weiter ging es über einen nun steileren Pfad zur Prader Alm. Wie immer hielten Ina und ich unser Tempo schön konstant, wenn auch heute mit mehr etwas mehr Druck, für was sollten wir uns jetzt noch schonen? 😉 Ich war ein weiteres Mal ziemlich froh über meine Stöcke, wer weiß, was meine Knie ohne sie gemacht hätten.
Es folgte der erste Downhill des Tages, zuerst über Stock und Stein und dann entlang eines Güterwegs nach Trafoi.

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Dort wurden wir wieder vom Verpflegungsteam in Empfang genommen, es gab heißen Tee und Suppe, die ich ob der frostigen Temperaturen dankbar trank. Und es wartete noch ein besonderer Gastläufer auf uns, mein Vati. 😉 Er lief ab der zweiten Verpflegstation mit Sicherheitsabstand hinter uns her, und sah sich den Transalp mal aus läuferischer Sicht an.

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Und dann kam der letzte, zache, lange Anstieg des TARs 2017. Nun gab es kein Halten mehr, wir lagen momentan an zweiter Stelle der Tages- und an vierter Stelle der Gesamtwertung bei den Damen. Und wir wussten, wenn wir jetzt nochmal alles geben, dann könnte ein dritter Platz in der Gesamtwertung möglich sein, auch wenn das vor ein paar Tagen noch unmöglich schien.
Wir zogen durch das Trafoier Tal hinauf zur Berglhütte, wo uns am Vorabend schon eine Überraschung angekündigt wurde. Und siehe da, als wir oben ankamen, suchte ich etwas verwirrt einen Weg um die Hütte herum, bis mir klar wurde, dass wir DURCH die Hütte durchgeleitet werden. Im Inneren hatte der Hüttenwirt heißen Tee und frischen, selbstgebackenen Kuchen für uns bereitgestellt. Wow! Es gibt schon einfach liebe Menschen. 🙂 Vielen Dank dafür, das war Antrieb für die letzten 700 Hm, die jetzt noch vor uns lagen.

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Ein letztes Mal beißen!

Vati gab uns kurz Bescheid, wie es um unseren Zeitvorsprung lag, und da wurde der Stockerlplatz plötzlich greifbar. Wir waren zwar schon erledigt und durchnässt, aber dieses eine Mal wollten wir noch Vollgas geben. Ich dachte mir die ganze Zeit, das ist nur mehr einmal der Hahnbaum, und auf den kannst du 12 Stunden gehen, wenn es sein muss, also GAS! Ina ging einen Tick schneller, ich fand meinen Rhytmhus ca. 10 Meter hinter ihr und so zogen wir in steilen, alpinen Serpentinen hinauf in luftige Höhen, knapp unter 3000 m. Die immer dünner werdende Luft und der eisige Wind verlangten uns alles ab. Aber der motivierende Zuspruch meines Vatis hinter uns ließ mich nicht nachlassen. (Danke Vati 😘)

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Ich war das ganze Rennen nie so erleichtert, wie dort oben auf der Tabarettascharte. Jetzt ging es nur noch bergab, und das konnten wir mittlerweile ganz gut. Den Anfang machte noch ein etwas technischeres Stück, wo Vorsicht geboten war und dann folgte der geilste Downhill des Transalpine Runs 2017. Ina und ich ließen es, und das kann ich mit gutem Gewissen sagen, richtig krachen. Wir überholten Team für Team, irgendwann konnte uns sogar unser Begleiter nicht mehr folgen. Wir kamen in einen richtigen Flow und hatten sogar Bestzeit auf dem Abschnitt von der V2 ins Ziel, nur so zum Vorstellen. 😉

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Und dann tauchten wieder die Täfelchen auf, die uns die letzten Kilometer ins Ziel wiesen. Es war einfach unfassbar, die letzten Kilometer, von 267…

Und als dürfte ich nicht ganz ohne Blessuren nach Hause, rutschte ich am letzten Kilometer noch richtig schön auf nassen Wurzen aus, und fing den kompletten Aufprall mit meinem eh schon lädierten Knie ab. Auuuaa, aber egal! „Sch*** drauf!“ sagte ich die ganze Zeit vor mir her, jetzt konnt das Knie ruhig weh tun. Ich ignorierte den brennenden Schmerz und lief einfach weiter hinter Ina her.

Und dann tauchte vor uns die große Sporthalle in Sulden auf, welche das finale Ziel des TAR 2017 darstellte.
Das war ein Gefühl, so unbeschreiblich, so unbegreiflich, wenn man dort einläuft und die Menschenmassen jubeln und klatschen einem zu. Es war mir unmöglich meine Emotionen im Zaum zu halten, ich freute mich einfach so sehr, dieses Abenteuer mit Ina so gemeistert und bestanden zu haben. Alleine kann man sich, glaube ich, gar nicht so sehr freuen, wie im Team!

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Unbeschreibliche Glücksgefühle

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Es erwarteten uns schon unsere Familien, unsere treue Begleiterin Cindy, der beste Fotograf Harald Wisthaler und alle anderen, die vor uns im Ziel waren. Dieses Strahlen, diese Erleichterung in den Gesichtern der Menschen wird mir wohl auf ewig in Erinnerung bleiben.

 

Für uns hieß es noch ziemlich genau eine halbe Stunde warten, wenn das drittplatzierte Damenteam dann noch nicht da sein würde, dann haben wir tatsächlich den Sprung vom 8. zum 3. Damenteam geschafft. Und so war es dann auch, das toppte dieses Erfolgserlebnis, unseren ersten Transalpine Run geschafft zu haben, natürlich noch einmal. 😀

Meine Mama war gut vorbereitet, weiß wie man Erfolge feiert und hat schon Sekt bereit gestellt, tip top! 😀 Danke Mama! 😘

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Cheers!

Nach ein paar Fotos ging es dann für uns erstmal ins Hotel und nach der Dusche direttissima ins Bett, von dem aus wir eine gute Sicht auf die Strecke hatten…

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Nach einem kurzen Powernap schreckte ich hoch, dachte, ich müsste wieder an den Start gehen… 😛 jaja, das wird mich sicherlich noch eine Zeit lang verfolgen.

Der Abend begann, wie die Abende zuvor, mit Essen und den Siegerehrungen, zuerst Tages- und dann Gesamtwertung. Was für eine Ehre, da hinauf zu dürfen! Wie oft war ich als kleines Mädel schon beim (Bike)Transalp dabei, habe die ganzen Männer und Frauen und ihre Leistungen über sieben Tage hinweg bewundert, und jetzt darf ich mich selber da hinaufstellen… Puh, da bekomme ich beim Schreiben wieder Gänsehaut…

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Zweiter in der Tageswertung

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Dritter Platz in der Gesamtwertung, YEAH!

Gewonnen haben in der Damenkategorie die meegaschnellen schwedischen Twins Sanna und Lina El Kott Helander, sie waren über die ganzen Tage unangefochten die ersten Damen. Zweiter wurde ein deutsches Damenteam, Kathrin Müller und Simone Schwarz. Gratuliere euch von ganzem Herzen Mädels, starke Leistung!!
Und dann kommen auch schon Ina und ich… fällt mir immer noch schwer, das zu realisieren… (Gesamtergebnisse Damen)

Es folgte noch die Vergabe der heißersehnten Finishershirts, und dann begann die große Aftershow Party. Ich werde da jetzt nicht all zu viel erzählen, nur so viel dazu: Puh, ich dachte nicht, dass man nach sieben Tagen noch so tanzen kann – und – Die Ersten werden die Letzten sein, was das Heimgehen betrifft… 😉 🍾🎉

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Finisher Foto (Harald Wisthaler)

 

 

One thought on “Transalpine Run 7. Etappe: Prad am Stilfserjoch – Sulden am Ortler

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