12 Stunden Hahnbaum Skitouren-Event

Ist das wirklich alles nur mein Leben?

Diese Frage habe ich mir in den letzten Tagen nicht nur einmal gestellt, denn in den vergangenen Wochen überschlugen sich die Ereignisse.

Ich stand am Gipfel des Großglockners, schrieb wie eine Wahnsinnige an meiner Masterarbeit, führte mein erstes Bewerbungsgespräch, reichte meine Masterarbeit ein, verbrachte ein super Wochenende mit meinen Kollegen vom BOA Running Team, pendelte jedes Wochenende zwischen Graz, St.Johann und Innsbruck, bekam eine Jobzusage, die Bestnote auf meine Arbeit und absolvierte die letzten Vorlesungsprüfungen. Als schließlich die Last der Masterarbeit etwas von mir abfiel, begann ich letzten Montag zu kränkeln und konnte schlussendlich trotz dem ganzem Trubel am Samstag gemeinsam mit über 300 anderen begeisterten Skitourengehern dankbar am Start des 12h Skitouren-Events am Hausberg meiner Heimat, dem Hahnbaum, stehen. Natürlich gibt es Schlimmeres, als an einem Sportevent nicht teilnehmen zu können, aber diese Veranstaltung hat für mich einen ganz besonderen Stellenwert. Seit es sie gibt, nehme ich an ihr teil, als kleines Mädel noch passiv und seit ein paar Jahren aktiv.

Schon vor dem Start herrscht diese familiäre, lustige Stimmung, die ich so schätze an diesem Event. Auch wenn ich schon lange nicht mehr in St.Johann wohne, so kenne ich doch die meisten und man stellt sich auf einen gemeinsamen, langen Tag am Hausberg der St.Johanner ein. Man trifft sogar bekannte Gesichter vom Transalpine Run, der Bekanntheitsgrad dieses Events wird immer höher!

12StdHahnbaum_2018-5022.jpg

Gewusel am Start.

Das erste Mal seit einem Jahr stehe ich mal wieder gemeinsam mit meinem Vati an der Startlinie. Ein Ziel habe ich trotz der gerade etwas turbulenten Phase sehr wohl vor Augen, ansonsten würden 12 Stunden mental ziemlich hart werden.

Um Punkt 7 Uhr startet die Höhenmeter-hungrige Meute in die erste Runde, vorne weg sprinten die Staffelteilnehmer und auch einige Einzelstarter die Premwiese hinauf, ich halte mich so gut es geht zurück, auch wenn der Puls gleich in die Höhe schnellt.

Während der ersten Runde bin ich einfach nur dankbar, dass ich in diesem Moment auf meinen Tourenski stehe, und nicht, wie 4 Tage davor, im Bett liege. Das Wetter ist schlechter, als angekündigt. Der Himmel hält sich den ganzen Tag lang bedeckt, die Sonne wird heute nicht auf uns herunter lachen. Angenehm für die Teilnehmer, aber leider kalt und windig für die Zuschauer und Betreuer.
Die nächsten Runden werde ich von einem flauen Magen begleitet, und ich schwöre mir wieder einmal, nie, wirklich nie wieder Iso zu trinken, ich vertrage das einfach nicht. Mit Suppe und einem Riegel bekomme ich die Übelkeit wieder in den Griff und komme schön langsam in Schwung.

Nach den ersten fünf, sechs Stunden geht mir „der Knopf auf“ und ich weiß, dass ich das Schlimmste mental überwunden habe. Für viele, mit denen ich geredet habe, wurde es gegen Ende hin schwer und zach. Aber für mich ist es lustigerweise genau umgekehrt, nach der Hälfte beginnt für mich der Spaß. 😉

rennen

Ganz bei der Sache. Foto: David Geieregger

Ich bin bei diesem Event mit sehr viel Herz dabei, und umso mehr bedeutet mir daher, wenn ich im Start-Ziel-Bereich nach jeder Runde aufs Neue von lieben Freunden empfangen werde. Es sind wie jedes Jahr die üblichen Verdächtigen, die einen anfeuern, fragen, ob man etwas braucht, und auch wenn ich in diesem Moment meinen Fokus auf andere Dinge gerichtet habe, so nehme diese Anteilnahme durchaus wahr und freue mich irrsinnig über die Anwesenheit eines jeden Einzelnen. Ein paar Mal überrundet mich Vati, wir wechseln ein paar Worte und lassen den jeweils anderen wissen, dass es uns immer noch gut geht. 😉 Ganz besonders freut mich, dass mich mein Freund Philipp über die ganzen 12 Stunden hinweg betreut, unterstützt, anfeuert, hin und wieder ein paar Höhenmeter mit mir zurücklegt und mir einmal sogar mit einem Labello nachrennt (😂🤦👸). Und am Nachmittag empfing mich dann noch hoher Besuch aus Wien (danke Vera!) in der Wechselzone. 😉 So eine herzliche Unterstützung gibt mehr Power als jedes Gel!

Anders als in den letzten Jahren, bin (fast) die ganze Zeit komplett klar im Kopf und kann mir am Nachmittag noch zusammenrechnen, dass sich 17 Runden ausgehen, wenn ich mein Tempo so konstant halten kann.

Die Stunden verstreichen und schön langsam verschieben sich die Dimensionen. Ich denke mir ganz locker:  „Nur mehr fünf Runden!“, was normalerweise im Training schon sehr viel für mich wäre.

Keep smiling! Bild: Andi Eberhart

Als die Abenddämmerung hereinbricht, beginnt die für mich schönste Phase der ganzen 12 Stunden. Es wird alles rundherum so ruhig und leise, schön langsam gehen die Stirnlampen an und eine Kolonne aus Lichtern schlängelt sich die letzten Male den Hahnbaum hinauf. Meine letzte, 17. Runde genieße ich gemeinsam mit Philipp. Alleine für diese friedvolle Stimmung würde ich diese zwölf Stunden immer wieder auf mich nehmen.

letzte runde

Ein Lichtermeer während der letzten Runde.

Gute zehn Minuten vor 19 Uhr kommen wir oben an, und weil es so kalt ist, verzichte ich auf eine weitere Abfahrt und die paar Höhenmeter, die ich noch hätte machen können. Ich bin mit meinen 17 Runden und 8.670 Höhenmetern mehr als zufrieden und überglücklich mit meiner Leistung beim ersten Rennen als Mitglied des BOA Running Teams 🙂 . Als Draufgabe bin ich dann noch 2. Dame hinter der Powerfrau Rosemarie Pötzelsberger und 18. in der Gesamtwertung. 😀 Mein Vati schafft es genau noch um 19 Uhr, seine 21. Runde zu vollenden und ist somit auch sehr zufrieden. Schon irre, was ein Körper alles hergibt…

schluss

Einfach glücklich…

schluss (2)

Zufriedene Gesichter 🙂

Dieses Jahr purzelten die Rekorde in puncto Teilnehmerzahl, Höhenmeter und Streckenrekord. 372 Teilnehmer schafften sagenhafte 1.348.421 Höhenmeter und mit 11.376 Höhenmetern stellte Hans Wieland einen neuen Streckenrekord auf. Alle Ergebnisse sind hier zu finden.

siegerehrung
Die Bikeklinik hat sich diesem Event wirklich grandios angenommen und veranstaltet hier ein Sportfest der Sonderklasse! Vielen Dank an alle Verantwortlichen, auch an die Bergrettung St.Johann, die jedes Jahr mit vollem Einsatz dabei ist.

Ein riesen Dankeschön geht an Philipp 😘 , der Vati und mich wirklich rund um die Uhr sagenhaft betreut hat, an meine Mama, die es sich wie jedes Jahr nicht nehmen lässt, uns anzufeuern, an Hans und Sigi, an Vera, an guten Seelen des 12h-Events, Karin und Walter, und an Simone und Lina! Außerdem freue ich mich besonders, dass meine zwei Freundinnen Jasmin und Johanna sich heuer erstmals alleine und gleich äußerst erfolgreich dieser Challenge gestellt haben!

Ihr habt diesen unvergesslichen Tag noch schöner für mich gemacht! ❤️

#theboeasystem #boarunningteam #suunto #petzl #geckoclimbingskins

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