Schwarzach Trail 2018

Als ich letztes Jahr beim Schwarzach Trail meine Premiere im (Ultra)Trailrunning hinlegen durfte, war ich mir unmittelbar danach nicht sicher, ob und wie ich so etwas noch einmal mitmachen sollte. Doch in der Zwischenzeit belehrten mich einige Rennen, allen voran der Transalpine Run, welche Distanzen möglich sind, und so ist es nicht besonders überraschend, dass ich heuer wieder auf der Starterliste des Schwarzach Trails stand. Aber von Anfang an.

Je näher das Datum rückte, umso mehr freute ich mich auf dieses Wochenende. Nicht nur wegen des Rennens, sondern besonders auf mein Daheim, alte Bekannte wieder mal treffen und auf die angenehme, familiäre Atmosphäre, welche dem Schwarzach Trail unbestritten anhaftet.

Bereits am Freitagabend, beim Briefing, treffe ich eendlich wieder einmal Leute, die ich schon lange nicht mehr gesehen hab und wir haben bereits die erste Möglichkeit, wieder einmal gemütlich zu tratschen. 🙂

Kaum zuhause angekommen, legen wir uns auch schon in die Federn, denn der uns bevorstehende Schlaf ist nur von kurzer Dauer. Aufgrund des heurigen Jubiläums gibt es die Möglichkeit, nach den üblichen 47 km und 2700 auf 84 km und 5000 hm zu erweitern, und um alle Schäfchen rechtzeitig ins Trockene zu bringen, ist die Startzeit vom Veranstalter auf 5:00 Uhr angesetzt worden.

Anders als gedacht, bin ich in der Früh, dank Nervosität und Adrenalin, putzmunter, frühstücke gemeinsam mit Philipp und meinem Vati, die auch beide starten, und dann machen wir uns auf nach Schwarzach. Dort herrscht schon reges Treiben und kurz nach der Segnung des Pfarrers (!) bewegt sich die Menge auch schon zum Start. Wenn ich mich umsehe, habe ich das Gefühl, das gesamte Starterfeld zu kennen und ich freue mich auf den Lauf. Das Wetter ist heuer etwas kühler als im Vorjahr, wenn auch zu Beginn sehr schwül.

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Mit meinen beiden Männern am Start, Foto: Jasmin Schwaiger

Der Startschuss fällt ob der unchristlichen Uhrzeit aus, und mit einer Geräuschkulisse, die an Silent Disco erinnern lässt, starten um die 250 Läuferinnen und Läufer auf die Strecke. Philipp zischt gleich vorne weg, den sehe ich nicht mehr, bevor ich im Ziel bin. Aber mit Vati kann ich anfangs gut Schritt halten. Und dann setzt etwas ein, vor dem ich mich schon gefürchtet habe. Keine zwei Kilometer nach dem Start bekomme ich unerträgliche Regelschmerzen, die mir auf einen Schlag all meine Kraft nehmen, und weiß nicht ob ich zuerst heulen oder fluchen sollte. Anders als geplant packe ich meine Stöcke gleich aus, stütze mich auf denen so gut es geht, und flehe, dass diese graußlichen Unterleibsschmerzen bald ein Ende haben. Ich kenne diese Situation nur zu gut, habe leider noch nichts gefunden, was helfen könnte, und schlimmer als die Schmerzen sind eigentlich die Gedanken, welche ständig zwischen aufgeben, stehenbleiben, aussteigen und weiterlaufen, durchbeißen pendeln.

Nach einer halben, dreiviertel Stunde fängt sich das ganze zu beruhigen an, ich bekomme meine Kraft wieder zurück und es bleibt nur ein dumpfes Gefühl im Bauch zurück. Zaghaft wage ich es, ein Gel zu nehmen und versuche micht zu entspannen und meinen eigenen Rhythmus zu finden.

Das fällt mir ehrlich gesagt nicht so leicht, die meiste Zeit lasse ich mich von anderen verleiten, etwas schneller zu laufen und kurz nach der ersten Labe beim Böndlsee überholt mich Hannes, der mir meine Anspannung ansieht und meint, ich soll mich doch entspannen. Recht hat er, danke für diese Worte!

Nach dem „Heartbreak Hill“ entschließe ich mich entgültig nicht mehr hetzen zu lassen, denn das Rennen ist noch lang, wir haben noch nicht mal die Hälfte hinter uns.
Dieses Jahr kommt mir die Strecke kürzer vor, und schon bald bin ich bei der Hirtenkapelle angekommen, was den ersten Downhill bedeutet. Einfach laufen lassen, aber nicht zu schnell, das bereue ich sonst bitterböse.

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Rhythmus gefunden! Foto: David Geieregger

Ich freue mich schon auf den steilen Steig, der auf das Hochegg hinaufführt, und spätestens hier freue ich mich, weil ich alles unter Kontrolle habe. Ich weiß, wann ich ein Gel nehmen soll, wann es Zeit für eine Salztablette ist, und habe einen guten Schritt gefunden. Am Gamskögerl reicht mir Matti einen Hollersaft (danke! 🙂 ) und dann folgt der nächste wunderbare Abschnitt. Über weichen Boden geht es coupiert zum nächsten Gipel, dem Hochegg, und dann gleich weiter Richtung Schneeberg. Dort wartet wie letztes Jahr mitten im Wald eine „private“ Labestation, bei wir mit herrlichem Preiselbeertee und Saft verköstigt werden. Es gibt einfach so nette Menschen. 🙂

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Es gibt nichts, das ich in diesem Moment lieber tun würde. Foto: Christian Wurzer

Der Trail zum Schneeberg ist ziemlich gatschig und ich muss lachen, als hinter mir jemand sagt, dass sei ja ähnlich schlimm wie die dritte Etappe vom Transalp letzten Jahres. Ich drehe mich kurz um und sehe bekannte Gesichter, wie schön!

Am Schneeberg hat sich Wu in Pose geschmissen und schießt einmal mehr Bilder, die mehr als tausend Worte sagen.

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Und mit dieser Kulisse dürfen wir laufen! Foto: Christian Wurzer
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Da kommt Freude auf, wenn der Wu im Gras liegt 😉 Foto: Christian Wurzer
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Foto: Christian Wurzer
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Episches Bild vom Wu!

Dieser teilt mir auch mit, dass es Philipp und Vati gut gehen würde, yippie! 🙂

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Go Vati! Foto: Christian Wurzer
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Laufen die beiden wirlich ein Rennen? 😉 Foto: Christian Wurzer
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Foto: Christian Wurzer

Vom Schneeberg hinunter, wo mich letztes Jahr fürchterliche Magenschmerzen begleitet haben, gehts heuer wie von allein, der Gatsch und die rutschigen Wurzeln machen mir überhaupt nichts aus, im Gegenteil, das ist viel besser zu laufen, als eine reine Forststraße.

Zu meiner großen Überraschung hole ich zwei Damen ein, die mich in der ersten halben Stunde ziemlich flott überholt haben. Das beflügelt mich noch einmal und ich gebe Gas bis zur nächsten Labe beim Althaussattel. (Danke fürs Flasche hinterlegen Jasi, Chris, Sarah und Dani! 🙂 ) Dort lass ich mir mit einer Dose Red Bull gleich nochmal Flügel wachsen und kann auf dem letzten Anstieg zum Hochglocker noch einmal richtig Stoff geben. Dort wo mich letztes Jahr ein Hitzeschlag geschrammt hat, laufe ich heuer zielstrebig durch und freue mich, dass es mir immer noch so gut geht. Ein paar Mal muss ich schmunzeln, weil ich mich an Teile der Streckenabschnitte einfach nicht mehr erinnern kann, da war ich wohl letztes Jahr schon ziemlich im Delirium.

Der letzte Downhill des Tages steht bevor, zu Beginn geht es noch gut, aber der steile Weg hinunter zum Krankenhaus in St.Veit lässt meine Oberschenkel ziemlich hart werden und ich kann nicht mehr leugnen, dass ich ziemlich schmerzhafte Blasen habe. „Mir egal, die nächste Woche sehen mich eh keine Laufschuhe“, denke ich mir und drücke an. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass sich eine Zeit unter sechs Stunden nicht ausgehen würde, was mir aber nichts ausmacht, denn ich weiß nicht, wie viel mir die Schmerzen in der ersten halben Stunde gekostet haben und ich habe bisher schließlich mein Bestes gegeben.

Bei der letzten Labe hole ich mir noch einmal Flügel aus der Dose und kann heuer die gesamte, zehrende asphaltierte Strecke in St.Veit durchlaufen.
Als ich in den Putzengraben hinunterkomme, wartet dort Philipp auf mich, der mich auf den letzten Metern noch einmal ordentlich anfeuert und mir gut zuredet. Das gibt noch einmal Auftrieb und die letzten zweitausend Meter sind mir gewiss.

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Schwere Beine auf den letzten Kilometern, Foto: David Geieregger

Ich höre schon Fredls Stimme aus dem Zielbereich heraufschallen, und wenige Minuten später biege ich in den Zielkanal ein. Wuhuuu, geschafft, in 6 Stunden und 10 Minuten, drei Minuten hinter der dritten. Gewonnen hat Kristin Berglund, eine Klasse für sich, zweite wurde Anja Neumann, ebenfalls extrem schnell! Chapeau, was da für Zeiten hingelegt wurden!

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Ich habe fertig!
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Für Philipp und mich ist der harte Teil des Tages somit erledigt, und es ist noch nicht mal Mittag! So ein früher Start hat schon etwas! 😉 Philipp lief die meiste Zeit mit seinem ehemaligen Teamkollegen Tom Farbmacher, die beiden hatten viel zu bereden ;). Dieser konnte sich jedoch am Ende absetzten und Philipp wurde hinter Tom und Andreas Pfandlbauer dritter.

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Wir können schon chillen!

Doch jemand ganz Wichtiger ist noch auf dem Weg, und zwar mein Vati, der läuft nämlich die 84 km. Während dem ganzen Rennen habe ich ständig an meine beiden Männer gedacht, ob es ihnen wohl gut geht. Bei Philipp habe ich nun Gewissheit, und von den Zuschauen weiß ich, dass es Vati auch gut geht. Dank der Online-Zeitübertragung habe ich immer im Blick, wo er gerade unterwegs ist.

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Vati und Hans-Peter bei Km 47, und weiter gehts! Foto: Klaus Spielbüchler

Nach 9 Stunden 40 Minuten kommt der erste Läufer der 84 km Strecke ins Ziel, und das ist kein Geringerer als mein Teamkollege Gerald „Sancho“ Fister, uuunglaublich diese Leistung! 😀

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Hammer Leistung, Sancho!!
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BOA Running Team beim Schwarzach Trail
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Tom, Philipp und Sancho, Foto: Klaus Spielbüchler

Als ich sehe, dass Vati das Heukareck schon hinter sich gelassen hat, fahren Philipp und ich hinauf Niederuntersberg und begleiten ihn die letzten, schmerzhaften Kilometer auf Asphalt und versuchen ihm gut zuzureden.

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Der Asphalt tut weh, nach fast 5000 positiven und negativen Höhenmetern

Und dann ist es soweit, gemeinsam mit Hans-Peter läuft mein Vati nach 12 Stunden und 43 Minuten freudestrahlend, wie ein kleiner Bub, nach 84 km und 5000 hm ins Ziel ein und jegliche Anstrengung der letzten Stunden fällt ab, was bleibt, sind schmerzende Muskeln und die befriedigende Gewissheit, etwas geschafft zu haben. Es freut mich so, diesen Moment mit ihm teilen zu können! 🙂

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Yeaah, gratuliere euch!!
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Vater und Tochter ❤
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🙂 Foto: Klaus Spielbüchler

Die Abendveranstaltung lässt noch etwas auf sich warten, da man auf den letzten Läufer wartet, welcher um 22:08 Uhr das Ziel erreicht. Doch währenddessen bleibt genügend Zeit um den Tag Revue passieren zu lassen und um mit lieben Freunden zu tratschen und anzustoßen.

 

 

Danke an den/die Veranstalter für dieses tolle Event, welches unsere Region sehr bereichert, danke an die Familie Schwaiger (+ Sarah & Dani) für die Unterstützung, danke für die feinen Gespräche vor und nach dem Rennen, danke an alle fürs Anfeuern und in Gedanken Dabeisein! ❤

Und last but not least: ein großes Dankeschön an die fleißigen Fotografen, ohne euch wäre dieser Bericht ziemlich fad. 🙂

4 comments

  1. Super geschrieben 😊🏃🏃🏃👏
    Ihr Drei wart einfach grandios 💪
    Nach dem tollen Bericht bekomme ich Gusto mal teilzunehmen 🤗

    Gefällt mir

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