TAR 2018 3/7 Imst – Mandarfen

Hard Facts: 52,8 km, 3.118 Hm im Aufstieg, 2.226 Hm im Abstieg, Start um 06:30 Uhr

Die Königsetappe. Alleine wenn man die Daten oben liest, wird einem anders zu Mute, vorallem, wenn man bedenkt, wie viel wir schon gelaufen sind und wie viel wir noch vor uns haben.

Trotz des Weckers um 03:45 Uhr fühlte ich mich ausgeschlafen, weil ich erstmals seit Beginn des Transalps gut geschlafen habe. Mit dem Shuttle um 05:00 Uhr wurden wir nach Imst chauffiert, wo wir ca. eine halbe Stunde vor der geschlossenen öffentlichen Toillete warten durfen, ohne Erfolg…

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Jap, es ist früh..

Den Start machten fünf Kilometer leicht bergab aus Imst hinaus, die wir gemütlich dahin rollten. Daraufhin ging es in den ersten Anstieg und ich merkte sofort, dass Ina und ich heute exakt den gleichen Rhythmus haben. Bergauf fühlten wir uns wieder stark, bergab fühlte sich Ina nicht ganz so wohl. Bis zur ersten Labe liefen wir mit einem anderen Damenteam immer wie im Ping Pong einher. Kaum ging es bergab, waren sie vorne, bergauf wir. 😉 Aber beim ersten etwas technischeren Trail waren wir dann endgültig vorne.

Ein langer Anstieg über einen Forstweg war mühsam, weil es sehr monoton war und man nie etwas sieht… Da schaltet dann mein Hirn immer etwas ab und ich denke so wirre Sachen. Endlich ging es nach Labe 2 in einen Steig hinein, der richtig fein bergauf ging. Auf einem kurzen Abschnitt versperrten uns Kühe am engen Weg das Weiterkommen, und da man weder oben noch unten ausweichen konnten, liefen sie bestimmt 300 m vor uns her, bis ein Bauer unter den Läufern die Rindvieher endlich zum Stehen brachte. 😀

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😀

Der Downhill war total verblockt und das Weiterkommen dauerte seine Zeit, da Steine und Wurzeln extrem rutschig waren. Man verlor hier echt viel Zeit. Aber die Aussicht war kitschig schön! Endlich alpin und über der Baumgrenze! Die zahlreichen Bäche waren uns auch sehr willkommen!

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Nach 36 km kam endlich die heiß ersehnte Labe 3, wo ich ca. einen halben Liter Cola in mich hineinschüttete, Kartoffeln und Brot aß. Schön langsam macht sich der Hunger bemerkbar! Jeder der mich kennt, weiß, wie gerne (und viel) ich nasche. Aber diese Woche hab ich nur unglaublichen Bock auf alles Salzige. Bei Labe 3 sahen wir auch Lucy Bartholomew, die den TAR, begleitet von einem Kamerateam, für eine Video-Laufband-Simulation (?!) läuft.

Während der gesamten Etappe waren wir eigentlich nie alleine. Im Vergleich zum letzten Jahr, wo wir uns manchmal nicht mehr sicher waren, ob wir eh noch auf der richtigen Strecke sind, waren wir immer in bester Gesellschaft. 🙂

Der letzte Downhill des Tages war noch einmal knackig, vor allem für Inas angeschlagenen Zeh.  Das Allerschlimmste, für mich zumindest, folgte dann aber zum Schluss. Die letzten zehn Kilometer führten immer leicht steigend an einem Radweg entlang über Plangeross nach Mandarfen. Auch wenn wir noch die Kraft hatten, diesen Weg zu laufen, war das mental einfach nur die Härte. Ich schaltete meinen Kopf und die Emotionen aus, ignorierte alles und jeden an der Strecke, reagierte nicht mehr auf Zurufe und lief einfach nur mehr ins Ziel. Auch hier fanden Ina und ich trotz der öden Kilometer wieder einen guten und gleichmäßigen Rhythmus.

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Dort angekommen war ich so erleichtert, brauchte aber ein bisschen, bis die Emotionen wieder zurückkamen. Im Ziel wartete mein Teamkollege Sancho, der meine Stimmung definitiv aufhellte. 🙂

 

Ich bin noch nie so weit am Stück gelaufen, und ehrlich gesagt war ich nach dieser Mörderetappe mental nicht bereit, am Tag darauf wieder zu laufen. Aber nach einer feinen, schmerzhaften Massage bei den Outdoor Physios merkte ich, dass da noch etwas geht. 🙂

Bei der Pasta Party, welche auf der Bergstation der Riffseebahn stattfand, bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack auf die morgige Etappe, und die Sehnsucht nach Laufen und Bergen war wieder geweckt. Ich denke es mir immer wieder, es ist einfach unglaublich, was ein Körper hergibt, wenn der Kopf richtig lenkt. 🙂

 

Fotos: Harald Wisthaler, Philipp Reiter

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