TAR 2018 5/7 Sölden – St.Leonhard in Passeier

Hard Facts: 39,3 km, 2.307 Hm im Aufstieg, 2.918 Hm im Abstieg, Start um 7:00 Uhr

Aufgrund einer Schlechtwetterprognose wurde der Start auf 7:00 Uhr vorverlegt. Zum Glück läuft die Organisation beim Transalpine Run so reibungslos, dass wir immer problemlos ein sehr zeitiges Frühstück in den gebuchten Hotels bekamen. Mein Appetit hält sich in den frühen Morgenstunden immer in Grenzen, generell habe ich diese Woche nicht wirklich Hunger, und ich muss mich immer zwingen, genügend zu essen, um gestärkt für die nächsten Tage zu sein. Das wird sich in der Woche danach wieder schlagartig ändern. 😉
Die Nacht war grauenhaft, der tosende Bach direkt unter unserem Zimmer und eine sehr unruhige Ina ließen mich oft aufwachen und nicht wieder einschlafen. Meine Augen werden mit jedem Tag geschwollener und ich freue mich schön langsam echt wieder auf eine ganz normale Nacht mit acht Stunden Schlaf und maximal 50 Herzschlägen / Minute.
Die heutige Strecke soll uns über das Timmelsjoch nach Südtirol bringen, darauf freute ich mich riesig!
Mit dem Startschuss liefen wir um die zwei Kilometer flach aus Sölden hinaus, um dann in einen engen Steig einzubiegen. Auch wenn wir in Startblöcken starten, so staut es sich doch immer an solchen Engpässen. Ina meinte, ich sollte bergauf wieder vorgehen und so sah ich zu, dass wir ein zügiges Tempo beibehielten und Teams überholen konnten. Bis zur ersten Labe an der Timmelsjochstraße hatten wir bereits über elf Kilometer und fast 1200 hm hinter uns gelassen.

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Wie im Märchenland

Die Stimmung war mystisch, der Berg, der hinauf zur österreichisch-italienischen Grenze führte, war in Nebel gehüllt und es sah einfach toll aus! Gleich nach der Grenze begann der erste Downhill und ich merkte, dass Ina sichtlich Schwierigkeiten hatte. Zuerst versuchte ich ihr vorzulaufen, ließ aber bald sie vorne laufen, damit sie in ihrem Tempo hinunter laufen konnte. Vom ständigen Abbremsen bekam ich ziemliche Knieschmerzen und die Oberschenkel wurden hart.

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Über die Grenze gehts in den ersten Downhill hinein.

Der Downhill wollte und wollte nicht enden, auch nicht nach der zweiten Verpflegstation, was Ina sehr zu schaffen machte. Ich versuchte stets sie aufzuheitern und zu motivieren, was schon ziemlich an meinen Kräften zehrte. Auch als endlich wieder ein Anstieg kam, was grundsätzlich Inas Stärke ist, mussten wir das Tempo sehr reduzieren.

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Eine neue Situation für uns beide, letztes Jahr war meistens sie die stärkere. Auch die Straße und der Forstweg, auf dem wir unterwegs waren, hellten ihre Stimmung nicht wirklich auf. Ein kurzes Stück über einen Steig ging dann wieder besser, aber die nicht enden wollende Forststraße zur letzten Labe vorm Ziel waren dann zu viel. Bei der Labe standen Inas Eltern und sie brach in Tränen aus. Wie bereits gestern versuchte ich sie zu beruhigen, umarmte sie, sagte ihr, dass es nicht mehr so weit sei und dass wir das ganz easy schaffen. Aber sie wollte und konnte sich einfach nicht beruhigen.

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Am Downhill nach der letzten Labestation

Puh, das war echt hart, für uns beide. Zu diesem Zeitpunkt war es für mich so unverständlich, weil wir erstens gut im Rennen waren und zweitens doch Spaß haben wollten. Dann muss man sich einfach seine Schwäche eingestehen und langsamer machen. Natürlich nimmt bei einem Teamrennen der Stärkere immer auf den Schwächeren Rücksicht, ansonsten bleibt der Spaß, die Schönheit der Natur, und alle anderen Gründe, warum man das eigentlich macht, auf der Strecke. Zum Glück stand ca. 7 km vorm Ziel wieder Philipp da und wartete auf uns, das beruhigte die Situation etwas. Ina konnte sich wieder einigermaßen fassen und wir liefen so gut es ging ins Ziel. Mir tat es echt leid, dass es so hart war für sie, es sollte doch einfach schön sein und einem mehr Energie geben als nehmen…

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Kurz vorm Ziel

Ich schreibe hier sehr ehrlich, also schreibe ich auch, dass ich am Nachmittag fertig war, mental ausgesaugt, meine sonst so motivierte und positive Stimmung war weg und ich hatte eigentlich keine Lust mehr, am nächsten Tag zu starten, wenn das alles kein Spaß ist. Natürlich gehört die Anstrengung dazu und man geht an seine Grenzen, genau deshalb meldet man sich doch beim TAR an…
Abends bei der Pastaparty besserte sich das etwas, aber es fiel mir trotzdem schwer, die Motivation für den nächsten Tag aufzubringen und vor allem diese an Ina weiterzugeben.

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Danke für die Fotos Harald Wisthaler und Philipp Reiter!

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