TAR 2018 – 7/7 Sarnthein – Brixen

Hard Facts: 36 km, 2.188 Hm im Aufstieg, 2.532 Hm im Abstieg, Start um 8:00

Die letzte Etappe des Transalpine Runs, für heuer zumindest. 😉
Als der Wecker läutete, fühlte ich mich fast ein bisschen wehmütig, denn egal was in den letzten Tagen passiert ist, diese Woche schenkt einem unvergessliche Erinnungen und vieles mehr! Ich hatte das Gefühl, mein Körper könne das locker noch eine Woche durchhalten und ich freute mich riesig auf diese wunderschöne Strecke. Das Frühstück in unserem „Sissi-Hotel“ war ausgezeichnet, ich aß ganz kaiserlich nur Kuchen zum Frühstück. 😉

Danach schlüpfte ich ein letztes Mal in meine braven Viking-Schuhe, drehte den BOA-Verschluss zu und war dankbar, dass sie mir bisher keine einzige Blase oder derartige Leiden beschert haben. Wir hatten es dieses Mal fein und mussten nur wenige Minuten zum Start spazieren, wo wir uns einmal mehr zum Tapen in die Hände der Outdoor-Physios begaben und von ihnen noch ein Glücksherz ❤ mit auf den Weg bekamen. Na, da konnte ja nichts mehr schief gehen.

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I ❤ Outdoor Physio 😉

Meine Motivation und gute Stimmung war wieder da, nämlich so richtig. Ich konnte die angekündigte Strecke kaum erwarten, die uns von Sarnthein nach Brixen führen sollte. Anders als im Vorjahr, hatten wir unsere Platzierung schon so gut wie in der Tasche, nach vorne und nach hinten war reichlich Luft und wir hatten absolut keinen Druck. Was für ein herrliches Gefühl, so an den Start gehen zu dürfen.

Ich saugte die Atmosphäre auf, die Menge der Leute, die Musik, die Spannung in der Luft, den Geruch von Sporteinreibung und Kleidung, die sich auf eine Waschmaschine freute. Ein letztes Mal begleitete uns AC/DC durch den Startcountdown und wir wurden auf die Strecke entlassen. Irgendwie war jeder gut drauf, jeder spürte das Ziel bereits greifbar und das Wetter freute sich mit uns.

Der erste Kilometer führte uns gleich bergauf am Schloss Reinegg vorbei hinein in den Wald auf Forstwege. Diese waren für uns immer noch durchaus laufbar und so kamen wir relativ zügig voran.

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Die Zeit bis zur ersten Labe bei den Reinwalder Mühlen verging durch die nette Gesellschaft anderer Teams so schnell, ich musste meine Softflasks gar nicht wirklich auffüllen. Von da an führte ein lieblicher Weg den Bach entlang hinauf zur Gedrunalm. Dort tat sich eine wunderbare Bergarena auf und wir konnten schon von weitem sehen, wo wir unterhalb der Kassianspitz den Berg überqueren werden.

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Dass bei den Mixed Teams die Dame im Team den Berg hoch gezogen oder geschoben wird, habe ich schon oft gesehen, aber heuer fiel mir diese Methode erstmals auch bei Männerteams auf. Zum Glück fühlten wir uns beide stark an diesem Tag und wir konnten auf derartige Abschleppmaßnahmen verzichten. 😉 Auf dem Weg nach oben genoss ich einfach die Landschaft, dieses Gefühl von Freiheit und war ganz im Moment. Wir überholten noch Eva Sperger und ihren Teamkollegen Jamie Ramsey, die nach ihren starken Auftritten am Anfang, leider einen Einbruch erlitten hat.

In der Kategorie „Kitsch“ hat an diesem Tag definitiv der Ausblick auf die Schutzhütte Latzfonser Kreuz mit der Wallfahrtskirche daneben gewonnen. Und dabei soll laut Streckenchef der beste Teil der Strecke erst kommen.

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Zu schön, um wahr zu sein!

Über einen steinigen, steilen Forstweg liegen wir hinunter zur Klausner Hütte, wo Labe Nummer 2 auf uns wartete und ich ob der steigenden Temperaturen beide Softflasks ganz auffüllte und mir noch zwei Becher Cola genehmigte. Pfeift! Dann waren wir bereit für den letzten Anstieg des Transalpine Runs 2018. Bei der „20 km to go“-Tafel wurde ich fast sentimental und die Zahl kam mir so winzig vor. Faszinierend, wie sich die Grenzen im Kopf während so einer Woche verschieben können.

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Auf den laut Streckenchef „schönsten Trails Südtirols“ prallte die Sonne auf uns herab und ich war dankbar, dass wir diese Woche mit angenehmeren Temperaturen gesegnet waren. Kurz darauf schob sich eine Wolke vor die Sonne und alles war wieder gut. 🙂 Vorbei am Gipfelkreuz des Königanger liefen wir in den allerletzten Downhill des TARs.

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Ina lief wieder vor um das Tempo bergab vorzugeben und so zogelten wir gemeinsam bergab. Nicht zu schnell, nicht zu langsam, aber 10 km sind doch noch 10 km. Auf den technischeren Passagen konnten wir noch Teams überholen, welche uns dann auf der Straße teilweise wieder zurück überholten. 😉 Alles ganz entspannt.

Schön langsam tauchten vor uns die Countdown-Tafeln auf, 5 km to go, 4 km to go und Ina und ich wussten, dass wir es fast wieder einmal geschafft haben.

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Auf dem letzten Kilometer vor Brixen gaben wir dann doch noch mal ein bisschen Gas, das heizt auch die Emotionen an. Und als wir durch die Altstadt von Brixen laufen, steht auf einmal Babsi da, die nur für den Zieleinlauf mit dem Rennrad von Innsbruck und wieder zurück geradelt ist. DANKE dafür, ich habe mich unglaublich gefreut! ❤

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Wir folgten den letzten Pfeilen durch Brixen und dann war es plötzlich vor uns. Das Ziel. Das Ziel nach sieben langen Tagen. Das Ziel nach 264 Kilometern und 16.610 Höhenmetern. Das Ziel nach einer Woche Teamwork.

Oh, und fast hätte ich vergessen, dass wir nach dieser Woche den zweiten Platz in der Kategorie Women erlaufen haben… Ein Traum geht in Erfüllung… Ich kann es noch immer nicht so ganz begreifen…

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Geschafft!

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Gemeinsam geschafft!

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Ich sitzte nun da auf meinem Schreibtisch zuhause und versuche meine Emotionen zu diesem Moment zu ordnen, was mir alles andere als leicht fällt. Es ist irgendwie eine Mischung aus Erleichterung, Freude, Sehnsucht und Wehmut. Nach so einem riesen Projekt bleibt irgendwie immer eine gewisse Leere zurück, die man nur schwer zu füllen vermag.

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Natürlich kommt noch dazu, dass wir diesen Bewerb zum zweiten Mal erfolgreich bestritten haben, letztes Jahr überkamen mich alle Emotionen, weil ich einfach nicht wusste, ob ich überhaupt zu solchen Leistungen im Stande wäre.

Für mich war diese Woche auf jeden Fall wieder einzigartig, sehr lehrreich und generell eine Bereicherung für mein Leben. Alleine schon, die tollen Leute, die man jedes Jahr kennenlernt. 🙂 Ihr seid einfach der Hammer und macht dieses Event, zu dem, was es ist!

Danke an Ina, dass du dich einmal mehr getraut hast, dieses Abenteuer mit mir zu wagen!

Danke an das Team von Viking Footwear, ohne die ein so reibungsloser Ablauf dieser Woche gar nicht erst möglich gewesen wäre. Reibungslos waren übrigens auch meine Schuhe, yippiiee. 🙂

Danke an meine Kollegen vom BOA Running Team, die mich stets aus der Ferne angefeuert und unterstützt haben.

Danke an die wundervollen Leute, die während dieser Woche vorort waren und Teil dieser Erlebnisse sind.

Danke an meine Familie & Freunde, die Tag für Tag mitgefiebert haben und mir alle nur mögliche mentale Unterstützung zukommen ließen.

Last but not least: Vielen Dank an die Fotografen, die diese unvergesslichen Momente für die Ewigkeit festgehalten haben!

 

Bilder: Harald Wisthaler, Philipp Reiter

 

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